130 Jahre Haymarket-Massaker. Demo am 29.4. in Berlin.

Es hilft nun keine Selbsttäuschung und kein Schöngerede mehr: Jene Demonstration, die sich selbst überschätzend als revolutionäre Massenmanifestation betrachtet, hat nun 2016, pünktlich zum 130. Jahrestag des Haymarketmassakers endgültig ihren politischen Bankrott erklärt.

In den letzten Jahren zum einem wandelnden MyFest herabgesunken, auf dem nur noch konsumiert wurde, ob es nun das kalte Bier aus dem Späti am Rand der Route war oder die pseudo-kämpferischen Reden vom Party-Truck herab, die von der nachlatschenden Masse hastig eingeatmet werden, ohne in den Köpfen und Herzen eine dauerhafte Wirkung zu entfalten, wankte die 18 Uhr Demo schon die letzten Jahre wie ein trauriger und verzweifelter Humunkulus durch ein kilometerlanges Spalier sensationsgeiler AmateurfotografInnen.

Mal ins „Herz der Bestie“ ziehend, um dann als Teppichvorleger Unter den Linden zu landen, mal endlos durch Kreuzberg torkelnd, um den verräterischen Stiefgeschwistern der Sozialdemokratie zu zeigen, wo der revolutionäre Nothammer hängt. Da hat sich in den letzten Jahren etwas im wahrsten Sinne totgelaufen. Die jüngsten Ereignisse machen es einmal mehr deutlich: Der 1. Mai braucht eine Art Neustart, vielleicht auch eine Rückbesinnung, die die heutigen Zustände mitdenkt, sie miteinander verknüpft.Was vor 130 Jahren galt, als die Streikenden bei McCormick zusammengeschossen wurden, als die Demonstration auf dem Haymarket von der Polizei in ein Blutbad verwandelt wurde, das gilt auch heute noch:

„Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben!“

Man kann auch nicht ewig wie ein Stück Vieh, mag es sich auch noch so sehr als revolutionär betrachten, hinter einer Handvoll Menschen hinterrennen, die sich selbst als Speerspitze einer revolutionären Veränderung betrachten und dabei doch nur ihren Fame und ihren Anspruch auf Führerschaft im Auge haben. Für eine vollständige Umwerfung der ritualisierten Maidemonstration mag es in diesem Jahr zu spät sein, aber nichtsdestotrotz brennt in nicht wenigen Menschen der Wunsch, dass es eine Alternative geben möge, um, besonders im 130. Jahr nach dem Haymarket-Massaker, ein Zeichen zu setzen, denn es geht auch anders.   Wir haben trotz allem Elend noch immer die Chance, einen gemeinsamen libertären Anfang zu machen. Verbünden wir uns gegen den an Fahrt aufnehmenden nationalistischen Rechtsruck in Europa, die soziale Entwürdigung der Menschen als „MieterInnen“ von Wohnungen, „Illegale“ mit unzureichenden Visa-Status oder „ArbeitnehmerInnen“ in der Arbeitswelt.

Organisieren wir uns gegen den voranschreitenden Aufbau einer polizeilichen Sicherheitsgesellschaft, die neben der offenen Repression auf „smarte“ bürgerliche Selbstkontrolle setzt. Unterdrückende Konzepte wie Nation, Autorität und fixe Geschlechterrollen scheinen wieder attraktiv zu sein, weil sie den Angsterfüllten sowas wie Verwurzelung verkörpern und vermeintlich klare Grenzen ziehen. Einer freiheitlichen Gesellschaft, in der die Menschen nicht mehr anderer Menschen Herren oder Knechte sind, stehen sie im Wege. Sie müssen beiseite treten. Dazu müssen wir eine entschlossene freiheitliche und antikapitalistische Antwort finden.

À bas l’état, les flics et les patrons!

Deshalb werden all jene, die sich den Idealen des 1. Mai 1886 auch noch 2016 verbunden fühlen, dazu aufgerufen, sich am Freitag, dem 29.4., um 19:30 Uhr auf dem Hermannplatz in Neukölln zu versammeln. Wenn ihr mögt, dann bringt schwarze und schwarz-rote Fahnen mit und überlegt euch passende (neue) Parolen, denn es ist eure Demo und ihr gestaltet sie ohne Beschallung von vorne. Der Endpunkt der Demo am Görli bietet die Gelegenheit danach ein Bierchen oder was alkoholfreies zu trinken.

Auf der Demo sollten kein Alk und keine Drogen konsumiert und keine Bollerwagen, National- und Parteifahnen und dergleichen mitgeführt werden. Für die Anarchie und so.

Demoroute: Hermannplatz – Kottbusser Damm – Kottbusserstraße – Kotti – Adalbertstraße – Oranienstraße – Skalitzerstraße Ecke Spreewaldplatz